"Wenn der Wind des Wandels weht,
bauen die einen Mauern,
die anderen Windmühlen."
Chinesisches Sprichwort

Informationen für Bürger
Die Erneuerbaren Energien sind die entscheidende Grundlage für nachhaltiges Wachstum. Nur sie haben minimale Treibhausgasemissionen und speisen sich aus (nach menschlichen Maßstäben) unendlichen Quellen. Damit sind sie einzigartig. Alle anderen Energieträger - Öl, Gas, Kohle, Uran - sind endlich. Insbesondere das Erdöl ist schon über seinen Zenit hinaus. Mehr und mehr Ölquellen versiegen - neue zu erschließen, wird immer schwieriger und teurer.
Wir begrüßen es daher sehr, dass die Politik diesen Kurs hin zu Erneuerbaren Energien eingeschlagen hat und den Ausstieg aus der Atomkraft beschleunigen möchte.
Mit der bisherigen Entwicklung haben wir ein gutes Fundament gelegt. Doch wir dürfen angesichts der globalen Herausforderungen nicht stehenbleiben. Eine nachhaltige Wirtschaft braucht letztlich 100 Prozent Erneuerbare Energie. Das zu erreichen ist unser erklärtes Ziel. Im Stromsektor ist dieses Ziel nicht mehr in allzu weiter Ferne. Nach Berechnungen unserer Branche werden wir 2020 mit 47 % bereits fast die Hälfte des Strombedarfs in Deutschland aus Erneuerbaren Energien decken. Damit liegen wir deutlich über den Zielmarken der Bundesregierung.
Unser Optimismus begründet sich dabei aus dem großen Potenzial für alle Sparten der Erneuerbaren Energien durch Ausbau und Effizienzsteigerung. Für die beeindruckende technologische Innovation bei den Erneuerbaren Energien sind die zumeist mittelständisch geprägten Unternehmen in Deutschland der beste Garant. Dazu einige Beispiele:
Windenergie als die stärkste Stimme im Konzert der Erneuerbaren: Bis 2020 werden wir die Windausbeute gegenüber heute etwa verdreifachen, indem neue Flächen ausgewiesen werden. Bayern und Baden-Württemberg beginnen gerade erst, ihr Windpotenzial zu erschließen. Hinzu kommt, dass alte Anlagen durch leistungsstärkere ersetzt werden - das sogenannte Repowering sowie durch technische Verbesserungen. So hat beispielsweise ein großer norddeutscher Windanlagenhersteller allein durch Veränderung der Rotorblätter den Ertrag um 15 % gesteigert. Die Offshore-Technologie wird ihre große Kraft dann nach 2020 erst richtig entfalten.
Oder in der Solarbranche: Durch einen höchst ehrgeizigen Wettbewerb kommen immer günstigere Module auf den Markt. Die Preise sind im freien Fall, hinzu kommen 9 % Degression pro Jahr durch das EEG. Voraussichtlich schon in 4 bis 5 Jahren werden wir die Netzparität erreichen und der Photovoltaik damit einen weiteren Wachstumsschub geben.
In der Geothermie mit ihren enormen Möglichkeiten stehen wir gerade erst am Anfang der Entwicklung. Dank der neuen Anreize im EEG wird sich diese Technik nun in Deutschland schnell weiterentwickeln und so Unternehmen neue Chancen auch auf den internationalen Märkten eröffnen. Die Dynamik, die in diesem Thema steckt, sieht man an den angelaufenen Projekten.
Es lassen sich noch viele weitere Aspekte der Erneuerbaren Energien benennen, in denen Deutschland mit echten Innovationen Marktführer werden kann: Zum Beispiel bei der besseren Systemintegration von Strom aus Wind- und Solarenergie. Hier sind intelligente Konzepte für Kombikraftwerke gefragt. Oder auch bei der Weiterentwicklung von Speichertechnologien aller Art, elektrisch und physikalisch, die insbesondere für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien nach 2020 von entscheidender Bedeutung sein werden.
Der Umbau unserer Energieversorgung von fossilen auf erneuerbare Quellen lohnt sich in jeder Hinsicht. Denn er weist den Weg aus der derzeitigen Krise und eröffnet eine langfristige Perspektive für unsere Wirtschaft.
Wertschöpfung
Je mehr Energie wir aus erneuerbaren Quellen gewinnen, desto weniger Geld müssen wir für teure Rohstoffimporte ausgeben und ins Ausland überweisen. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist also gleichsam ein Sparbuch für die öffentlichen und privaten Haushalte. Es bleibt mehr Geld im Land - beim Staat, bei den Unternehmen, bei den Verbrauchern - für sinnvolle Investitionen. Damit steigern die Erneuerbaren die heimische Wertschöpfung ganz erheblich.
Dezentrale Produktion von Erneuerbarer Energie wird nicht nur in Kürze billiger als fossile Energiegewinnung, sie wird auch vor Ort vergütet. Unsere Energieausgaben kommen daher immer weniger den Gewinnen von Gasoligarchen oder Ölscheichs zugute. Stattdessen profitieren hiesige Anlagenhersteller, Waldbesitzer von nebenan oder heimische Handwerker.
Am Nachdrücklichsten könnten wir diese Effekte in der Wärme auslösen, die rund 50 % des gesamten Energieverbrauchs ausmacht. Gerade hier sind aber die Anstrengungen noch nicht zielführend genug. Noch immer werden mehr Gas- und Ölheizungen eingebaut als Wärmepumpen, solarthermische Anlagen oder Pelletheizungen.
Vor allem im Altbaubestand, der mehr als 85 % aller Gebäude ausmacht, greift das Marktanreizprogramm nicht allein. Wir müssen zusätzliche - wohl auch ordnungsrechtliche - Wege finden, um den Anteil der Erneuerbaren Energien zu erhöhen und gleichzeitig die Energieeinspar-Erfordernisse voranzubringen. Hier liegt ein weiteres großes Beschäftigungsfeld für verschiedene Gewerbe und Industrie.
Beschäftigung
Die Zahl der Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbare steigt rasant. In den letzten zehn Jahren verzeichnete die Branche einen Zuwachs um über 330 %! Vergleicht man das mit anderen Branchen, wird klar, wie bedeutsam diese Entwicklung ist. Beispielsweise legte die Autobranche in der gleichen Zeit lediglich um 5 % zu. Die Textilindustrie verlor 37 % der Beschäftigten. Und auch die herkömmlichen Energien haben eine negative Beschäftigungsbilanz:
Kernenergie minus 21 %, Braunkohlebergbau minus 37 %, Steinkohlebergbau sogar minus 58 %.
Dass die inzwischen rund 300.000 Jobs bei den Erneuerbaren Energien von Dauer sind, ist zum Einen der internationalen Entwicklung zu verdanken. Ob China, USA oder Arabische Emirate: Überall sind Erneuerbare auf dem Vormarsch. Zum Anderen liegt das in der Nachhaltigkeit begründet. Denn die Jobs sind weder durch steigende Rohstoffpreise gefährdet noch durch strengere Klimaschutzvorgaben - im Gegenteil.
So werden allein bis 2020 rund 220.000 weitere Jobs bei den Erneuerbaren über alle Sektoren auf dann insgesamt über 500.000 hinzukommen. Und auch nach 2020 geht das Wachstum weiter. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die Erneuerbaren genauso viele Arbeitsplätze zur Verfügung stellen wie die bisherige Schlüsselindustrie in Deutschland: die Autoindustrie.
Besonders bemerkenswert ist an dieser Stelle:
Die massive weltweite Wirtschaftskrise konnte die positive Bilanz nicht schmälern. Im ersten Krisenjahr stieg die Zahl der Jobs bei den Erneuerbaren in Deutschland um 30.000 gegenüber 2007. Für das erste Quartal 2009 ermittelte der Wissenschaftsladen Bonn gegenüber dem Trend der Wirtschaftskrise einen Zuwachs der Stelleninserate für neue Jobs im Bereich Erneuerbare Energien um 25 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Klimaschutz
Jede Kilowattstunde Strom oder Wärme und jeder gefahrene Kilometer, der auf Erneuerbaren Energien basiert, reduziert unmittelbar den Ausstoß von Treibhausgasen. Damit sind die Erneuerbaren Energien die Klimaschützer Nummer Eins. Wir schaffen so die Voraussetzungen dafür, dass wir die Klimaziele der Bundesregierung tatsächlich erreichen können. Den Klimawandel zu bremsen, muss das zentrale Ziel der nächsten Jahre bleiben. Jetzt können wir noch handeln, jetzt können wir noch vorwiegend in Vermeidung statt in Anpassung investieren.
Das sollten wir ohne Frage tun, indem wir ohne Wenn und Aber auf die Erneuerbaren setzen. Sie ermöglichen wirtschaftliche Entwicklung auch unter verschärften Klimaschutzauflagen und sparen gleichzeitig steigende Kosten für CO2-Zertifikate ein. Klimaschutz durch Erneuerbare Energien bedeutet also zugleich ökologischen wie ökonomischen Eigennutz.
Auszüge aus einer Rede von John J. Becker am 09.06.2010
Vorstandsvorsitzender der REON AG




